Bedingt durch den Aufbau des Walzwerkes Weber ab 1910 entstand von 1912 an eine Wohnsiedlung für die Arbeiter und Angestellten des Betriebes in der Nähe des Gutes Wilhelmshof. Für die bald 800 evangelischen Christen war zunächst die St. Gotthardtgemeinde zuständig.In einem großen Raum über einem Gasthof wurden die ersten Gottesdienste gehalten, später zog die Gemeinde in eine Baracke des Walzwerkes, die aber nur zeitlich begrenzt zur Verfügung stand.
Um das mühselig aufgebaute Gemeindeleben nicht aufs Spiel zu setzen, musste gebaut werden. Die St. Gotthardtgemeinde sah sich außerstande eine intensive Arbeit zu leisten. Die Kirchenbehörde beschloss daher 1924 die Verbindung mit der reformierten St. Johannisgemeinde, deren Pfarrer Oskar Goehling wurde mit der Aufgabe betraut, die “Arbeitergemeinde” Wilhelmshof seelsorgerisch mit zu versorgen.
Obwohl die Gemeinde sehr arm war, wurde trotzdem auf einer Gemeindekirchenrats-Sitzung im Sommer 1925 der Baubeschluss gefasst. Einer der damals bedeutendsten Kirchenbauarchitekten Otto Bartning übernahm den Auftrag zum Bau eines Gemeindezentrums im Arbeitervorort Wilhelmshof. 3 Jahre lang wurde in der gesamten Provinz intensiv gesammelt, Pfarrer Goehling wurde zum “Bettelpastor” der Gemeinde. Der Architekt musste immer wieder neue billigere Entwürfe machen. Schließlich konnten für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösungen gefunden werden. Auch ein Grundstück war inzwischen gefunden worden.

 

 

So fand am 17.06.1928 auf dem Ödland in unmittelbarer Nähe zur Wohnsiedlung an der Magdeburger Landstraße die feierliche Grundsteinlegung statt. Der Architekt Otto Bartning übernahm persönlich die Bauleitung. Der Bau wurde in erstaunlich kurzer Zeit bewältigt. Denn bereits am 1. Advent 1928 konnte das Gemeindezentrum Wilhelmshof mit einem Festgottesdienst eingeweiht werden.
Das Zentrum besteht aus dem Kirchensaal für etwa 100 Personen, der auch für Gemeindefeiern genutzt wird. In östlicher Richtung schließt sich der Kindergarten und ein Raum für die Diakonisse (später Raum für Christenlehre und Gemeinderaum) an. Abgeschlossen wird das Gebäudeensemble durch die Küsterwohnung. Das alles steht wegen der Kosten auf möglichst geringer Grundfläche. Der ganze Komplex ist ein verputzter Backsteinbau. Das Dach ist mit Schiefer gedeckt. Der schlichte Kirchenraum ist mit Holz ausgekleidet. Einziger Schmuck ist das kleine farbige Rundfenster an der Altarwand. Den Baustil kann man in die Bauhauszeit einordnen. Der Architekt war mit dem Bauhaus verbunden.

Richard Cieslak

Kirchenbesichtigungen bitte im Gemeindebüro anfragen: Tel. 03381/522062